Gehör-Lotse

Glossar

Was Akustiker selten erklären

Begriffe, die Sie im Beratungsgespräch hören — sachlich erklärt, ohne Fachjargon-Filter. Damit Sie nicht nur verstehen, was gesagt wird, sondern auch, was nicht gesagt wird.

A

Akustiker (Hörakustiker)
Gesundheitsfachberuf mit Meisterausbildung. Akustiker dürfen Hörgeräte anpassen und mit den Krankenkassen abrechnen. Anders als Ärzte stellen sie keine Diagnosen, sondern setzen die ärztliche Verordnung in eine konkrete Versorgung um.

Siehe auch: HNO-Arzt, Anpassung

Anpassung
Der Prozess, in dem ein Hörgerät auf Ihren persönlichen Hörbefund eingestellt wird. Die Erst-Anpassung dauert beim Akustiker meist 30 – 60 Minuten, gefolgt von 2 – 4 Feinjustierungs-Terminen über mehrere Wochen. Bei Online-Anbietern läuft die Anpassung per Video-Termin.
Aufzahlungsfreie Versorgung
Hörgerät, dessen Verkaufspreis exakt dem Festbetrag der Krankenkasse entspricht. Sie zahlen nur den gesetzlichen Eigenanteil von 10 € pro Gerät. Solche Geräte sind technisch schlichter als Premium-Modelle, aber medizinisch vollwertig — und gesetzlich Ihr Recht.

Siehe auch: Festbetrag, Eigenanteil

Hörgerät ohne Zuzahlung — wie es geht

B

BERA (Hirnstammaudiometrie)
Objektiver Hörtest, der Hirnstrom-Reaktionen auf akustische Reize misst. Wird bei unklaren Hörtest-Ergebnissen, einseitigem Hörverlust oder Verdacht auf neurologische Ursachen eingesetzt. Schmerzlos, dauert 30 – 60 Minuten, beim HNO oder in spezialisierten Praxen.
Binaurale Versorgung
Versorgung mit zwei Hörgeräten — eines pro Ohr. Bei symmetrischem Hörverlust die Standard-Versorgung. Das zweite Gerät wird von der Krankenkasse um 15 % reduziert vergütet. Vorteil: Räumliches Hören und Sprachverstehen in lauten Umgebungen funktionieren mit binauraler Versorgung deutlich besser.

Siehe auch: Festbetrag

C

Cerumen (Ohrenschmalz)
Natürliches Sekret im Gehörgang. Übermäßige Mengen können einen Pfropf bilden, der wie Hörverlust wirkt — sich aber durch eine HNO-Reinigung beheben lässt. Vor jeder Hörgeräte-Versorgung wird eine Cerumen-Inspektion gemacht.

D

Dezibel (dB)
Maßeinheit für Lautstärke. Hörverlust wird in dB angegeben — je höher die Zahl, desto stärker das Defizit. Klassifikation: leicht (20 – 40 dB), mittelgradig (40 – 70 dB), hochgradig (70 – 90 dB), an Taubheit grenzend (über 90 dB).

E

Eigenanteil
Gesetzliche Zuzahlung von 10 € pro Hörgerät, höchstens 20 € insgesamt. Fällt einmalig pro Versorgung an, nicht jährlich. Bei anerkannter Schwerbehinderung mit Hörverlust über 70 % entfällt der Eigenanteil. Nicht zu verwechseln mit privater Zuzahlung für Premium-Geräte.

Siehe auch: Festbetrag, Aufzahlungsfreie Versorgung

F

Festbetrag
Der Maximalbetrag, den die gesetzliche Krankenkasse pro Hörgerät zahlt — aktuell 784,94 € netto (rund 933 € brutto) pro Ohr. Bei beidseitiger Versorgung wird das zweite Gerät um 15 % reduziert vergütet. Wer ein teureres Gerät wählt, zahlt die Differenz privat.

Siehe auch: Aufzahlungsfreie Versorgung, Eigenanteil

Wie viel zahlt die Kasse?

G

GKV (Gesetzliche Krankenversicherung)
Pflichtversicherungssystem für rund 90 % der Deutschen. Die GKV zahlt den Festbetrag pro Hörgerät, unabhängig von der konkreten Kasse (AOK, TK, Barmer, IKK, BKK etc.). Regional gibt es keine relevanten Unterschiede.

Siehe auch: Festbetrag, PKV (Private Krankenversicherung)

H

HdO-Gerät (Hinter-dem-Ohr-Gerät)
Hörgeräte-Bauform, bei der das Gerät hinter der Ohrmuschel sitzt und über einen Schallschlauch oder dünnen Draht mit dem Gehörgang verbunden ist. Robuster, größer als IdO-Geräte, einfacher zu bedienen — die häufigste Bauform bei Senioren.

Siehe auch: IdO-Gerät (Im-Ohr-Gerät), RIC (Receiver-in-Canal)

HNO-Arzt
Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Stellt die ärztliche Diagnose bei Hörverlust und schreibt die Hörgeräte-Verordnung. Direkt-Zugang ohne Überweisung möglich. Erstausstattung dauert in Deutschland aktuell 4 – 8 Wochen Wartezeit.

Siehe auch: Akustiker (Hörakustiker)

Hörsturz
Plötzlich auftretender Hörverlust, meist auf einem Ohr, oft mit Tinnitus oder Schwindel verbunden. Notfall — sofortige Behandlung beim HNO innerhalb der ersten 48 Stunden kann den Hörverlust komplett rückgängig machen. Niemals abwarten.

Siehe auch: Tinnitus

Hörverlust
Reduzierte Hörfähigkeit, gemessen in Dezibel pro Frequenzbereich. Häufigste Form ist die Innenohrschwerhörigkeit (auch Schallempfindungs-Schwerhörigkeit), bei der die Sinneszellen im Innenohr beschädigt sind. Schwerhörigkeit ab 30 % gilt als versorgungsbedürftig.

Siehe auch: Dezibel (dB)

Hörgeräte-Verordnung
Ärztliches Dokument vom HNO, das die medizinische Notwendigkeit einer Hörgeräte-Versorgung bestätigt. Pflicht-Voraussetzung für die Krankenkassen-Abrechnung beim Akustiker. Gültigkeit: 28 Tage ab Ausstellung. Ohne Verordnung keine Versorgung.
Was beim HNO-Termin passiert

I

IdO-Gerät (Im-Ohr-Gerät)
Hörgeräte-Bauform, die vollständig im Gehörgang sitzt — optisch fast unsichtbar. Kleiner und unauffälliger als HdO-Geräte, aber: schwerer zu bedienen bei eingeschränkter Feinmotorik, weniger Platz für Mikrofone und Akkus, nicht für jeden Hörverlust geeignet.

Siehe auch: HdO-Gerät (Hinter-dem-Ohr-Gerät)

K

Knopfzelle
Kleine Batterie zum Betrieb von Hörgeräten. Vier gängige Größen (10, 13, 312, 675), je nach Bauform. Wechsel-Rhythmus 5 – 14 Tage. Knopfzellen müssen bei Verschlucken sofort ärztlich behandelt werden — gefährlich für Kinder und Demenzkranke.
Akku oder Batterie — was lohnt sich

O

Otoplastik
Maßgefertigtes Ohrpassstück bei Hinter-dem-Ohr-Geräten. Wird vom Akustiker per Abdruck Ihres Gehörgangs hergestellt. Sorgt für sicheren Sitz und korrekte Schallübertragung. Bei Premium-Geräten oft im Preis enthalten, bei aufzahlungsfreien Geräten manchmal Aufpreis.
Otoskopie
Untersuchung des Ohrs mit einem Otoskop — einem trichterförmigen Gerät mit Lichtquelle. Standard-Bestandteil jedes HNO-Termins. Der Arzt prüft Trommelfell, Gehörgang und Cerumen-Status. Schmerzlos, dauert wenige Sekunden pro Ohr.

P

PKV (Private Krankenversicherung)
Privates Versicherungssystem, vor allem für Selbstständige, Beamte und Gutverdiener. Die PKV erstattet meist die „medizinisch notwendige Versorgung“ — was im konkreten Fall vom individuellen Tarif abhängt. Vor dem Hörgeräte-Kauf Kostenvoranschlag bei der PKV einreichen!

Siehe auch: GKV (Gesetzliche Krankenversicherung)

Probetragung
Test-Phase vor dem endgültigen Kauf, bei der Sie ein Hörgerät 1 – 4 Wochen im Alltag tragen. Während dieser Zeit können Sie das Gerät kostenfrei zurückgeben oder gegen ein anderes Modell tauschen. Mindestens zwei Modelle parallel zu testen ist Ihr gutes Recht.

R

RIC (Receiver-in-Canal)
Bauform-Variante des Hinter-dem-Ohr-Geräts, bei der nur der Lautsprecher (Receiver) im Gehörgang sitzt. Sehr unauffällig, gute Klangqualität, ideal für leichten bis mittelgradigen Hörverlust. Mittlerweile die häufigste Premium-Bauform.

Siehe auch: HdO-Gerät (Hinter-dem-Ohr-Gerät)

S

Schwerbehinderung mit Hörverlust
Anerkannter Grad der Behinderung wegen Hörverlust. Ab 70 % Hörverlust am besser hörenden Ohr in Verbindung mit weiteren Funktionseinschränkungen kann ein Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen ausgestellt werden. Folge: Eigenanteil bei der Hörgeräte-Versorgung entfällt.
Sprachverstehen-Test
Hörtest, bei dem Sie Wörter oder Sätze in unterschiedlichen Lautstärken hören und wiederholen sollen. Misst nicht nur, ob Sie Töne hören, sondern wie gut Sie tatsächlich Sprache verstehen — alltagsrelevant der wichtigste Test.

Siehe auch: Tonaudiometrie

T

Tinnitus
Subjektives Geräusch im Ohr (Pfeifen, Rauschen, Brummen), das nur der Betroffene hört. Häufig in Verbindung mit Hörverlust. Nicht heilbar, aber durch Hörgeräte oft deutlich abgemildert. Akuter Tinnitus mit Hörverlust ist ein Notfall — siehe Hörsturz.

Siehe auch: Hörsturz

Tinnitus und Hörgeräte — wann sie helfen
Tonaudiometrie
Hörtest in der schalldichten Kabine, bei dem reine Töne unterschiedlicher Frequenz und Lautstärke abgespielt werden. Sie drücken einen Knopf, sobald Sie einen Ton wahrnehmen. Ergebnis ist die Tonschwellenkurve — die grafische Darstellung Ihres Hörvermögens pro Frequenz.

Siehe auch: Sprachverstehen-Test

Begriffe verstanden — was kommt jetzt?

Wer den Festbetrag und den Eigenanteil im Kopf hat, geht besser vorbereitet ins Akustiker-Gespräch.